05.02.2015

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Bopfingen. Mittwoch, 18.45 Uhr. Proppenvoll ist die Jahnturnhalle bereits 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Die Bürger wollen wissen, was Sache ist. Nord- oder Süd-Trasse? Alle Kommunen haben inzwischen ihre Stellungnahme zur Machbarkeitsstudie abgegeben und nur Unterriffingen, Schloßberg und Flochberg haben dabei für eine Nord-Trasse als B-29-Umgehung zwischen der Röttinger Höhe und Nördlingen votiert. Doch die Gegner einer Süd-Trasse übers Härtsfeld – rund ein Viertel der 400 Besucher – wittern Morgenluft.

Der BUND hat nämlich eine gutachterliche Stellungnahme, die der Landkreis beim Ingenieurbüro Brenner in Auftrag gegeben hatte, öffentlich gemacht. Darin wird ein Vergleich aller Trassen angestellt. Fazit: Die Nord-Trasse in der 80er Version ist kostengünstiger, die Verkehrsentlastung besser bis vergleichbar mit den anderen Trassen. Dem Kostenaspekt widerspricht Landrat Klaus Pavel und verkündet damit die Botschaft des Abends: Die detaillierte Untersuchung habe nun nämlich ergeben, dass die bei der 80er-Ipf-Trasse nötigen Bauwerke größer und teurer werden, als vermutet. Vier „Knackpunkte“ hat die Ipf-Trasse:  den Anschluss Trochtelfingens  den Bereich um den Ipf  das Sechtatal und  die Steigung zur Röttinger Höhe. Letztere ließe sich technisch und in finanziell vertretbaren Rahmen noch machen, sagte Pavel. Zur Anbindung Trochtelfingens sagte er, dass Verkehrshochrechnung vermuten ließen, dass ein Anschluss Trochtelfingens an diese Trasse womöglich gar nicht nötig sei, würde die Ipf-Trasse den Verkehr im Ort doch um 80 Prozent verringern. 20 Prozent bleiben, damit könne man leben. Gescheitert ist für Pavel die Ipf-Trasse an den nötigen Bauwerken. Um die Topografie um den Ipf aufzufangen, seien zwei Grünbrücken nötig. Jede davon rund 350 Meter lang und jede rund 7,5 Millionen Euro teuer, erklärte Pavel. Das Sechtatal müsste mit einer Straße auf Stelzen überwunden werden, mindestens 320 Meter lang, aber, um allen Anforderungen tatsächlich vernünftig gerecht zu werden, seien eher 620 Meter Länge nötig. 16 Millionen Euro würde dieses Bauwerk verschlingen. „Addiert um diese Mehrkosten, liegt die 80er-Trasse viel teurer, als alle anderen Trassen“, begründete Pavel, dass er diese Lösung nicht weiterverfolgen möchte. Frenetischer Applaus der erleichterten Mehrheit in der Jahnturnhalle.
„Geben Sie dem Projekt eine Chance, lassen Sie uns etwas wagen.“ Landrat Klaus Pavel

Oberdorfs Ortsvorsteher Martin Stempfle zeigte danach in Fotomontagen, wie die Bauwerke die Landschaft an Sechta und Ipf verändern würden. Landwirt Alois Wolfrom machte in einem Kurzvortrag die Artenvielfalt von Fauna und Flora im betroffenen Areal sichtbar. Sie und viele andere Redner nach ihnen betonten, dass die Ipf-Trasse keine Alternative sei – und alle ernteten viel Beifall. Die Applaudierenden nahm der Landrat aber sogleich in die Pflicht. Er erwarte von jedem, dass er einen alternativen Nord-Vorschlag unterbreite, denn er wolle nach wie vor, dass zwei Trassen – eine Nord- und eine Süd-Trasse – in die Machbarkeitsstudie aufgenommen werden. Dies gebiete die Fairness. Er unterstrich auch, dass „die Probleme Röhrbachsiedlung und Trochtelfingen nicht gelöst sind. Wir müssen hier weiter arbeiten“, sagte er. Karl Schlecht kritisierte, dass die Ipf-Trasse am Geld scheitern soll. Würde die Süd-Trasse ebenso akribisch geprüft, würde sich zeigen, dass auch hier sehr teure Bauwerke nötig sind. Klaus Meyer, der Sprecher der BI-Härtsfeld, verwies auf das Brenner-Gutachten. Die Nord-Varianten brächten mehr Entlastung, sagte er. Auf dem Härtsfeld sei man stets kompromissbereit geblieben und habe nach Alternativen gefahndet. Dies erwarte er jetzt auch von allen Befürwortern der Süd-Trasse. „Zwei Trassen müssen in die Machbarkeitsstudie, dann sind wir mit im Boot. Ansonsten wird sich die BI Härtsfeld komplett querstellen und dies nach Berlin tragen“, machte Meyer klar. Dies brachte nun wieder viele Befürworter der Süd-Trasse dazu, zu fordern, dass nur eine Trasse nach Berlin gemeldet wird. Zumal viele im Norden nun fürchten, doch noch von einer Trasse beeinträchtigt zu werden, die sie eigentlich gar nicht mehr für realistisch hielten. Und so geht es weiter  Der Kreistagsausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung befasst sich am 10. Februar, um 15 Uhr, im Landratsamt Aalen mit der Trassendiskussion.  In einer Sondersitzung am 11. Februar, um 17 Uhr, in der Schranne gibt Bopfingens Gemeinderat öffentlich seine Stellungnahme ab.  Der Kreistag entscheidet dann am 24. Februar, 17 Uhr, in Aalen, wie viele und welche Trassen in die Machbarkeitsstudie aufgenommen werden.

 
Schwaepo