Zwei Varianten für Berlin

10.02.2015

Onlineartikel schwaebische-post

Zwei Varianten für Berlin

Ausschuss für Kreisentwicklung folgt Landrat Klaus Pavels Vorschlag

Beide Trassen-Varianten sollen am Ende in der Machbarkeitsstudie landen.

Eine Nord- und eine Süd-Trasse sollen in der Machbarkeitsstudie für die B-29-Umgehung landen. Dieses klare Signal hat der Kreisausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung am Dienstagabend abgegeben. Das letzte Wort hat der Kreistag am 24. Februar.

MARTIN SIMON

Aalen/Bopfingen. Viel Zeit nahmen sich die Kommunalpolitiker und Landrat Klaus Pavel für die Debatte um die B-29-Trasse von der Röttinger Höhe bis nach Nördlingen. Chronologisch blickte Pavel dabei zunächst auf das Zustandekommen der Machbarkeitsstudie und die unterschiedlichen Varianten darin. Ziel sei es stets gewesen, Pflaumloch und Trochtelfingen ein Stück weit von der B-29-Belastung zu befreien. Der einzig erfolgversprechende Weg hierzu führe über die Machbarkeitsstudie, die der Landkreis vor rund sechs Monaten auf den Weg gebracht und zwischenzeitlich mehrmals überarbeitet hat. Das Anhörungsverfahren sei fast abgeschlossen, sagte Pavel. Die meisten Stellungnahmen der befragten Kommunen plädierten für eine Süd-Umfahrung über das Härtsfeld. Doch auch bei dieser Variante entdeckt Pavel „einige Fragen, auf die wir noch keine geeigneten Antworten haben“. Deshalb, und auch aus Gründen der Fairness setzt sich Pavel dafür ein, dass zwei Trassen in die Machbarkeitsstudie aufgenommen werden. Dementsprechend ist der Beschlussantrag für die Kreistagssitzung am 24. Februar formuliert. Vorgeschlagen werden darin:  Eine Nord- und eine Süd-Trasse.  Entscheidet sich der Bund für die Süd-Trasse, so plädiert der Ostalbkreis für eine Realisierung in folgender Reihenfolge: Erst die Ortsumfahrungen für Pflaumloch und Trochtelfingen, dann der Anschluss von der Röttinger Höhe bis zum A7-Anschluss Aalen-Ebnat und schließlich der Lückenschluss zwischen Trochtelfingen und der Röttinger Höhe.  Auf die Nördlinger Süd-Umfahrung soll verzichtet werden.  Für Lauchheim und Westhausen soll es Lärmschutzmaßnahmen geben.  Der Ausbau einer neuen B 29a Unterkochen, inklusive einer Nordumfahrung Ebnat, zur A 7 soll geschaffen werden. Damit fand Pavel breite Zustimmung. Bis auf die Grünen, signalisierten CDU, Freie und SPD, dass sie den Beschlussantrag im Kreistag tragen werden. CDU und SPD loben die Arbeit und das Vorgehen des Landrats Für die CDU dankte Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer dem Landrat für sein Engagement in dieser Sache. „Das ist Bürgerbeteiligung par excellence.“ Der Weg der Machbarkeitsstudie sei ein einzigartiger, dynamischer Prozess. Tausende litten unter der aktuellen Lage auf der B 29, der Verkehr werde weiter zunehmen und zudem brauche die Raumschaft Chancen, für die weitere Entwicklung. Mit dem Konzept sei man auf gutem Weg. „Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Eine Studie ersetzt keine Planung“, blickte er auf den Realisierungszeithorizont, der gut und gerne noch 20 Jahre dauern könne. Aalens Bürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler betonte ebenfalls die Bedeutung einer wirksamen Ost-West-Achse für die Raumschaft. Der Bau der B 29a gehöre zwingend dazu. Für Aalen-Unterkochen biete diese Chancen, aber auch Belastungen. „Da müssen wir Lösungen finden“, sagte sie. „Was Sie geackert haben, ist bewundernswert“, lobte auch Konrad Sorg (SPD) das Bemühen Pavels, der den Dialog suche und nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entscheide. Zwei Trassen, ohne dabei eine zu priorisieren, dies sei die Forderung der SPD. Willibald Freihart (Freie) will nur die Süd-Trasse aufnehmen Für die Freien ergriff Wilibald Freihart das Wort. „Wir haben acht Varianten rauf und runter diskutiert. Am Ende bleibt bei jeder eine Belastung übrig“, konstatierte er. „So bleiben, wie es ist, darf es aber auch nicht“, sagte er. Die Freien würden dem Beschlussantrag folgen. Er hält die Süd-Trasse für besser, vor allem weil diese einen A-7-Anschluss Ebnat schaffe. „Wir sollten nur auf die Süd-Trasse setzen und hier entscheiden, statt Berlin die Entscheidung zu überlassen“, forderte Riesbürgs Bürgermeister. Grüne lehnen Studie und alle Trassen-Varianten ab Für die Grünen hatte Walter Havemann zuvor wortreich sämtliche Trassenvorschläge und die Machbarkeitsstudie als solche abgelehnt. Diese arbeite weder Chancen noch Risiken heraus, sei in Sachen Natur- und Landschaftsschutz völlig unkritisch und priorisiere eindeutig eine Süd-Trasse. Den Flächenverbrauch auszugleichen, sei unmöglich, meint Havemann. Er bezweifelt, dass das Verkehrsaufkommen weiter wächst. Zudem würde ein steigender Anteil von Elektro-Fahrzeugen das Lärmproblem verringern. „Die Achse Augsburg-Stuttgart ist die A 8 und die soll es auch bleiben. Warum wollen wir uns neuen Verkehr herholen?“, fragte er. Besser als 100 Millionen Euro für Umgehungen rauszuwerfen sei es, jeweils Umfahrungen für Pflaumloch und Trochtelfingen zu schaffen, „und zehn oder 15 Millionen Euro für die Ertüchtigung der bestehenden B 29 und für Lärmschutz auszugeben“, sagte er.
(Quelle: https://www.schwaebische-post.de/account/login/?aid=789130)

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