Bopfingen will die B-29-Süd-Trasse

11.02.2015

Onlineartikel schwaebische-post

Bopfingen will die B-29-Süd-Trasse

Gemeinderat beschließt mit 12:11 Stimmen, dass nur Süd-Trasse in der Machbarkeitsstudie landet.

Viele Bürger wollten die Stellungnahme zur Trasse hautnah in der Schranne miterleben.

Mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse hat der Bopfinger Gemeinderat am Mittwochabend seine Stellungnahme zur Machbarkeitsstudie abgegeben. Nach drei Stunden Debatte stimmte das Gremium am Ende mit 12:11 Stimmen dafür, dass nur die B-29-Süd-Trasse in die Machbarkeitsstudie aufgenommen wird.

MARTIN SIMON

Bopfingen. Enttäuschung bei den vielen Bürgern aus den südlichen Ortsteilen Bopfingens in der Schranne. Knapp war es, sehr knapp, wenngleich einige unter den Gegnern der Süd-Trasse das Ergebnis so hatten kommen sehen. „Hätten wir die gutachterliche Stellungnahme des Ingenieurbüros Brenner über die Nord-Trassen nicht öffentlich gemacht, wäre das Abstimmungsergebnis noch viel deutlicher ausgefallen“, sagte beispielsweise BUND-Regionalvorsitzender Werner Gottstein am Ende. Dieses Gutachten war es denn auch, das einige Stadträtinnen und -räte, die vor Tagen noch vehement einzig eine Süd-Trasse realisiert wissen wollten, zum einen ärgerte und zum anderen umschwenken ließ. Beispielsweise Aufhausens Ortsvorsteher Helmut Stuber (CDU). „Diese Stellungnahme hätte uns bereits am 6. Dezember vorgelegt werden können“, ärgerte er sich. „Es war völlig überraschend für mich, wie stark auch die Entlastungsfunktion einer Nord-Trasse ist. Das hat meine Meinung verändert. Zwei Trassen sind ein guter Weg“, sagte er. Genauso argumentierte sein Fraktionskollege Thomas Trautwein. Weil jede Trasse Konflikte und ungelöste Fragen berge und weil beide Trassen Entlastung brächten, gelte es, zwei Eisen im Feuer zu halten, sagte er. Auch Hans-Martin Lechler (SPD) erklärte seinen Sinneswandel „von eins nach zwei“ so. War dies beim SPD-Mann weniger überraschend – schließlich hatte seine Fraktionschefin Dr. Carola Merk-Rudolph in ihrer Stellungnahme zwei Trassen vorgeschlagen – so durfte man über die Aussagen der CDU-Räte doch verblüfft sein. Denn kurz zuvor hatte CDU-Fraktionschefin Gisela Knobloch in einer feurigen Rede deutlich gemacht, weshalb es nur eine Trasse, nämlich eine Süd-Trasse, geben dürfe. Von zahlreichen „über-Nacht-für-alles-Experten“ und „zermürbenden Diskussionen im Vorfeld“ sprach sie. Am Ende habe all dies nichts Neues ergeben als die Bestätigung der Verkehrsdaten aus vergangenen Jahren. Eine Nord-Trasse bringe mehr Nachteile als Vorteile, konstatierte sie. „Nur die Süd-Trasse bringt den Impuls, den wir uns versprechen. Eine verkehrte Verkehrsführung stellt Bopfingen ins Abseits“, sagte sie. Ebenfalls nicht folgen wollte Knobloch den vom Landkreis für eine mögliche Süd-Trasse vorgeschlagenen Bauabschnitten. Sie forderte eine „durchgehende Realisierung in einem Zug“. Einen entsprechenden Antrag beschloss der Gemeinderat am Ende einstimmig. SPD-Chefin Merk-Rudolph hatte in ihrem Statement betont, wie viele ungeprüfte Bereiche die aktuelle Machbarkeitsstudie noch enthält. „In diesem Stadium ist eine Festlegung nicht möglich“, warb sie für zwei Trassen und damit mehr Chancen. Dass die Mehrheit eine Süd-Trasse favorisiere, sei nicht überraschend, da von einer Nord-Trasse viel mehr betroffen wären. „Wir müssen aber Wogen glätten und Gräben zuschütten“, warnte sie. Auch Bürgermeister Dr. Gunter Bühler ist dieser Auffassung. Eingangs hatte er minutiös den Prozess der Trassen-Findung Revue passieren lassen. Er sprach von einer „historischen Chance“, die sich ergeben habe und davon, dass man diese nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfe. Vor allem auch, weil viele direkte Anrainer seit Jahren unter der aktuellen B-29-Situation litten. Beide Varianten versprächen verkehrliche Entlastung, „und keine ist so gut, dass man eine kategorisch ausschließen sollte“, sagte er. Zumal offen sei, welche rechtliche Widerstände hinsichtlich Naturschutz oder Abstand von Bebauung aufträten. „Wenn wir reinkommen, geht die Planung bei null wieder los, aber erst mal müssen wir reinkommen“, sagte er. Schloßbergs Ortsvorsteher Albert Kratzel, Flochbergs Ortsvorsteher Gebhard Häfele und Unterriffingens Ortsvorsteher Dietmar Schönherr (alle CDU) stießen ins selbe Horn. Auch die Fairness gebiete zwei Trassen, sagten sie. Ganz anderer Meinung waren hier Kerkingens Ortsvorsteherin Bettina Weber und Oberdorfs Ortsvorsteher Martin Stempfle, die einer Nord-Trasse eine klare Absage erteilten. Für die Freien machte Peter Wüst klar, dass beide Trassen Eingriffe in die Landschaft bringen, und dass die Natur im Sechtatal genauso wertvoll ist, wie die auf dem Härtsfeld. Daher müssten andere Kriterien die Wahl entscheiden: Wie viele Menschen werden entlastet und bei welcher Trasse sei das Wohl der gesamten Raumschaft am größten? Für die Freien lautet die Antwort: Süd-Trasse. Und daher plädierte die Fraktion dafür, nur diese aufzunehmen. Stefan Spang (Freie) bezweifelt zudem, „dass wenn in Berlin für die Süd-Trasse entschieden wird, die Gegner dieser Variante diese Entscheidung respektieren“. Die Mehrheit der Bürger habe sich für eine Süd-Trasse ausgesprochen, als gewählter Stadtrat fühle er sich der Mehrheit verpflichtet. Richard Mayer (SPD) listete die Vorteile einer Süd-Trasse auf und sagte: „Warum noch eine Nord-Variante. Wir müssen Farbe bekennen. Süd-Trasse.“ Als größter Nutznießer, aber auch Betroffener einer B-29-Umgehung wird Bopfingens Stellungnahme sicher entsprechend Gewicht finden, letztlich aber entscheidet der Kreistag am 24. Februar, wie viele Trassen in der Studie landen.

 

(Quelle: https://www.schwaebische-post.de/account/login/?aid=789493)

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