Süd-Trassen-Gegner gründen Verbund

20.04.2015

Onlineartikel schwaebische-post

Süd-Trassen-Gegner gründen Verbund

Bürgerinitiativen und Naturschützer gründen das Aktionsbündnis „B-29-Südvariante – Nein, Danke!“

Mehrere Bürgerinitiativen zur B 29 sowie Umwelt- und Naturschutzverbände haben sich zusammengeschlossen. Sie wollen jegliche Variante einer B 29 von der Röttinger Höhe bis nach Nördlingen über das Härtsfeld verhindern.

MARTIN SIMON

Bopfingen. Das neue Aktionsbündnis „B 29-Südvariante – Nein, Danke!“ besteht aus „BI B 29 Härtsfeld“, „BI Waldhausen“, BUND-Ortsverband Aalen, BUND-Regionalverband Ostwürttemberg, Landesnaturschutzverband-Arbeitskreis Naturschutz Ostwürttemberg und Naturschutzgruppe Vorderes Härtsfeld, schreibt Aalens-BUND-Vorsitzender Carl-Heinz Rieger der Presse. Das Bündnis vertrete die Interessen von Bürgern aus Schloßberg, Flochberg, Trochtelfingen (Röhrbachsiedlung), Hohenberg, Unter- und Oberriffingen, Michelfeld, Hohenlohe, Beuren, Waldhausen und Aalen. Weitere Beitrittsgespräche liefen noch, schreibt Rieger weiter. Bislang sei das Bündnis ein loser Zusammenschluss, sagt BUND-Regionalvorsitzender Werner Gottstein der SchwäPo. In den nächsten Tagen werde man Zuständigkeiten und Aufgaben an Personen knüpfen. Auch Aktionen, mit denen das Bündnis in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen will, würden geplant, sagt Gottstein. Das Bündnis erhebt schwere Anschuldigungen: Im Bündnis herrsche Einigkeit darüber, dass die „Bevölkerung von der Verwaltung und der Politik wissentlich falsch informiert wurde“. Die Nordtrasse, die im Kreistag als Alternative beschlossen wurde, sei eine reine Alibi-Trasse, behauptet Rieger. Dies gehe aus dem Schriftverkehr zwischen Minister Dobrindt, den CDU-Bundestagsabgeordneten Kiesewetter und Lange, dem Landtagsabgeordneten Mack sowie Landrat Pavel hervor. Es stehe damit nur noch die „natur-und tierzerstörerische, aufwändige und sehr teure Südvariante im Blickfeld der politischen Befürworter“. Alles andere sei „Makulatur“. Die Kosten der Trasse zwischen Ipf und Blasienberg seien künstlich hochgerechnet worden, behauptet Rieger. Die Kosten für den Albaufstieg Röttinger Höhe und der Trasse durch das Kugeltal dagegen kleingerechnet worden. Gleiches gelte für den Rest der Südvariante. Alle nötigen Zusatzbauten, wie Wasserschutzwanne, Rückhaltebecken, Abwasserkanal zur Kläranlage Westhausen und Grünbrücken für das einzigartige zusammenhängende (teilweise auch FFH-Gebiet) Wald- und Naturgebiet mit Landschafts- und Naturschutzgebieten sowie international bedeutenden Wildtierkorridoren seien aus der Kostenberechnung herausgelassen worden. Zudem sei eine gutachterliche Stellungnahme vom 27. November 2014, die alle Nordtrassen als effizienter einstuft, der Öffentlichkeit sowie den Gemeinde- und Ortschaftsräten vorenthalten worden, wiederholt Rieger alte Vorwürfe. Dass Orte wie Flochberg, Schloßberg, Hohenlohe, Ober- und Unteriffingen, Elchingen, Hülen, Beuren, Waldhausen, Ebnat und Unterkochen sowie die Oststadt von Aalen von einer drastischen Verkehrszunahme durch Autos (Waldhausen) und Schwerlastverkehr (Ebnat und Unterkochen) bei Realisierung einer Südtrasse mit A-7-Zubringer in Richtung Aalen, Gmünd, Stuttgart betroffen sein werden, sei programmiert. Dies schwiegen Landkreisverwaltung und politisch Verbündete tot, behauptet Rieger. Und weiter: Es sei zu befürchten, dass bei einer Aufnahme der Südvariante in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans alle anderen, schon fertig geplanten Umgehungsstraßen im Ostalbkreis nicht mehr gebaut würden. Schließlich binde die Südtrasse mindestens 100 Millionen Euro, die dann für den Bau anderer Straßen fehlten. Das Aktionsbündnis „B 29-Südvariante – Nein, Danke!“ will sich mit öffentlichen Aktionen gegen „diesen unsinnigen, kostspielig und umweltschädlich geplanten Straßenbau widersetzen“, kündigt Rieger an. Landrat Pavel nennt Vorwürfe des Bündnisses „unhaltbar“ Landrat Klaus Pavel weist die schweren Vorwürfe entschieden zurück. „Ich bin sehr verwundert und verstehe langsam die Welt nicht mehr“, sagt er. Eine Verquickung des Straßenbaus im westlichen Bereich der B 29 mit der B-29-Verbindung von Röttingen nach Nördlingen entbehrt jeglicher Grundlage, macht Pavel deutlich. „Da gibt es keinen Zusammenhang.“ Die Anschuldigung, die Verwaltung hätte die Fakten nicht offen auf den Tisch gelegt, weist Pavel zurück. „Ich habe stets sehr aufrichtig alle Fakten offengelegt“, sagt er. Und er findet es enttäuschend, dass nun versucht werde, mit falschen Aussagen Stimmung zu machen. „Am Ende könnten wir so alle als Verlierer dastehen“, warnt er.

 

(Quelle: https://www.schwaebische-post.de/account/login/?aid=803919)

Schwaepo